Du öffnest deine Website und siehst plötzlich Werbung für Casinos, Viagra oder Krypto-Scams. Oder Google warnt deine Besucher mit „Diese Seite kann Ihrem Computer schaden". Oder das WordPress-Backend lässt dich nicht mehr rein.
Atme tief durch. Eine gehackte Site ist nicht das Ende. Aber jede Minute zählt. Hier ist die richtige Reihenfolge, die ich nach 8 Jahren Notfall-Reparaturen entwickelt habe.
Schritt 1: Hosting-Account sofort schützen (5 Min)
Bevor du irgendetwas anderes machst:
- Logge dich bei deinem Hosting-Provider ein (Strato, All-Inkl, Hetzner, etc.)
- Ändere das Passwort des Hosting-Accounts
- Aktiviere 2-Faktor-Authentifizierung (2FA)
- Schau in den Login-Logs, ob fremde IPs Zugriff hatten
- Wenn FTP-Zugang existiert: alle FTP-Passwörter ändern
Warum zuerst? Wenn der Angreifer noch Hosting-Zugang hat, kann er alles, was du fixt, sofort wieder kaputt machen.
Schritt 2: Site offline nehmen (3 Min)
Niemand soll die kompromittierte Site sehen oder anklicken. Mehrere Optionen:
- Im Hosting-Panel: Domain auf „Wartung" stellen
- Im WordPress: Wartungs-Modus-Plugin aktivieren (wenn Zugang noch da)
- Per FTP: Eine kleine
index.htmlmit „Wartung läuft" hochladen - Per htaccess: Zugriff auf alle IPs außer deine eigene blockieren
Ziel: Besucher sehen nichts Verdächtiges mehr, und Google merkt nicht weitere kompromittierte Seiten.
Schritt 3: Backup einspielen, wenn vorhanden (15-30 Min)
Hast du ein automatisches Backup (UpdraftPlus, Hosting-Backup, externes Backup)?
Wenn ja:
- Wähle das letzte Backup VOR dem Hack (idealerweise von gestern oder dem Vortag des Hacks)
- Restore in einer Staging-Umgebung oder direkt auf der Live-Site
- Nach Restore: Alle Passwörter ändern (WP-Admin, Database, FTP)
- Alle Plugins und das Theme aktualisieren
Wenn nein: Schritt 4 wird wichtiger.
Wichtig: Spiele NICHT einfach das letzte Backup ein, ohne zu wissen, ob es schon kompromittiert war. Manchmal sitzen Angreifer wochenlang unbemerkt im System.
Schritt 4: Manuelle Säuberung (1-4 Stunden)
Wenn kein Backup verfügbar ist oder das Backup auch kompromittiert war, musst du säubern. So gehst du vor:
4a. WordPress-Core neu installieren
Lade die aktuelle WordPress-Version von wordpress.org runter und überschreibe via FTP alle Core-Dateien, außer der wp-content/ Ordner und wp-config.php.
4b. Plugins komplett neu installieren
Lösche alle Plugins aus dem wp-content/plugins/ Ordner und installiere sie sauber neu aus dem offiziellen Plugin-Repository. Premium-Plugins: aus dem Account des Anbieters neu downloaden.
4c. Theme prüfen
Lade dein Theme neu vom Anbieter und überschreibe. Wenn du Custom-Code im Theme hast: vorher sichern, dann wieder hinzufügen.
4d. wp-config.php Schlüssel erneuern
Generiere neue Security-Keys über api.wordpress.org/secret-key/1.1/salt/ und ersetze sie in der wp-config.php. Das invalidiert alle aktiven Sessions.
4e. Uploads-Ordner prüfen
In wp-content/uploads/ sollten NUR Bild- und Dokument-Dateien liegen. Wenn dort PHP-Dateien sind: löschen. PHP in Uploads ist fast immer Malware.
4f. Datenbank scannen
Mit Plugins wie „Wordfence" oder „Sucuri" die Datenbank auf eingeschleusten Code (z. B. in der options-Tabelle) prüfen.
Schritt 5: Sicherheits-Hardening (2-3 Stunden)
Damit es nicht wieder passiert:
- 2FA für WP-Admin aktivieren (z. B. WP 2FA Plugin)
- Limit Login Attempts Plugin installieren (max 3 Versuche)
- Admin-Username „admin" löschen: Standard-Login wird automatisiert angegriffen
- Firewall-Plugin installieren (Wordfence, iThemes Security)
- Datei-Permissions prüfen: wp-config.php auf 600, alle anderen auf 644/755
- SSL erzwingen auf der gesamten Site
- Automatische Updates für Plugins aktivieren (oder Wartungsvertrag abschließen)
- Tägliches Backup einrichten, extern gespeichert (nicht nur auf dem Server)
Schritt 6: Google-Reputation wiederherstellen
Wenn Google bereits eine Warnung vor deiner Site ausgibt:
- Search Console öffnen
- Im Bereich „Sicherheitsprobleme" das Problem anschauen
- Nach kompletter Säuberung: „Überprüfung beantragen" klicken
- Google prüft erneut, dauert 1-3 Werktage
- Bei Erfolg: Warnung wird entfernt
Wann du den Profi rufen solltest
Selber säubern ist machbar, aber riskant. Ruf einen Profi wenn:
- Du nicht weißt, was die Malware genau macht
- Du nicht sicher bist, ob alle kompromittierten Dateien gefunden sind
- Die Site geschäftskritisch ist und nicht 1-2 Tage offline sein darf
- Kundendaten betroffen sind (DSGVO-Meldepflicht!)
- Die Hack-Quelle nicht klar ist
Notfall-Reparaturen kosten 480-1.800 € je nach Ausmaß. Mit zeitlicher Priorität.
Wie kommen Hacker rein? (zur Prävention)
Die 5 häufigsten Einfallstore:
- Veraltete Plugins (60 % aller Hacks)
- Schwache Admin-Passwörter (15 %)
- Veraltetes Theme (10 %)
- Geleakte Hosting-Zugangsdaten (8 %)
- Veraltete WordPress-Version (7 %)
Mit monatlichen Updates wären 95 % aller Hacks verhinderbar.
Häufige Fragen
Muss ich die DSGVO-Behörde informieren?
Wenn Kundendaten (Newsletter-E-Mails, Form-Submissions, Bestellungen) potenziell betroffen sind: Ja, innerhalb 72 Stunden. Sonst nicht.
Soll ich Kunden informieren?
Bei wahrscheinlichem Datenleck: Ja. Eine ehrliche Mail kommt besser an als ein Verschweigen, das später rauskommt.
Ist WordPress unsicher?
Nein. 43 % aller Websites laufen drauf. Entsprechend ist es das größte Angriffsziel. Mit regelmäßigen Updates ist es sicherer als die meisten Custom-Builds.
Und jetzt?
Wenn du gerade gehackt wurdest: Schreib uns sofort. Notfall-Reparatur startet innerhalb von 24 Stunden, oft schneller. Wenn du noch NICHT gehackt wurdest: ein Wartungsvertrag verhindert 95 % aller solchen Szenarien.